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Das Interview

»Wenn du dich selber kennenlernen möchtest, musst du in deine Tiefen hinabsteigen.« Teresa Schuhl

Frau Schuhl, täglich strömen Menschen in Ihre Praxis, die von ihrem Ruf als charismatische Heilerin gehört haben. Was geben sie diesen Menschen?

Krankheiten erleben die meisten Menschen als Bedrohung. Aber auch wenn es verblüffend klingt: Jede Krankheit ist ein Freund. Sie kommt als Begleiter, wenn wir nicht mehr unseren eigenen Weg gehen, und eröffnet uns die Chance, zu den tiefsten
Schichten unseres Selbst zu gelangen. In diesen Tiefen sind verdrängte Verletzungen verborgen, die als körperliche Symptome an die Oberfläche gelangen. Ich helfe den Menschen, diese Verwundungen zu erkennen und zu überwinden.

Das klingt nach einer psychologischen Methode. Oder rechnen Sie sich als Heilerin zu den Esoterikern?

Ich bin weder Psychologin noch Esoterikerin. Was mich leitet, ist einzig meine Liebe zum Göttlichen und meine darin wurzelnde Intuition. Ich lege den Menschen die Hand auf – die älteste Heilkunst der Welt. Oft zeigen sich mir dann spontan die Themen und Ereignisse, die die Menschen krank gemacht haben. Und ich bete mit den Patienten.

Was passiert dabei?

Es hat eine erlösende Wirkung. Manchmal sage ich: »Ich kann deine Bürde nicht tragen, aber ich kann dich tragen.« Viele weinen dann, weil sie sich von ihrer Last befreit fühlen. Die körperliche Heilung ist jedoch nur ein Nebenaspekt. Viel wichtiger
ist, den Sinn der Krankheit zu erkennen und zu verstehen. Der Königsweg besteht darin, Frieden mit sich selbst zu machen.

Welche Rolle spielt der Glaube an Gott in Ihrem Leben?

Die größte und wichtigste. Gott ist es, dessen Energie und dessen Liebe ich weitergebe. Er hat mir die Gabe des Heilens gegeben. Sie kommt nicht aus mir selbst, sondern wurde mir geschenkt, und dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Buch heißt »Wüstenmädchen«. Wie kam es zu diesem Titel?

Ich wurde in der Steppe Zentralasiens geboren. Dieses Land hat mich stark geprägt: Ich wuchs in großer Freiheit auf – ein wildes Mädchen, das den ganzen Tag draußen war und oft durch das unwegsame Gebirge streifte. Ein Wüstenmädchen
eben. Nach der Umsiedlung nach Deutschland musste ich ganz andere Wüsten durchwandern: Entwurzelung, Verunsicherung, emotionale Kälte. Ich habe die Wüsten des Lebens kennengelernt, die seelischen Entbehrungen, den Durst nach Liebe. Das hilft mir heute bei meiner Arbeit.

Was kann man aus Ihrem Buch für das eigene Leben mitnehmen?

Ich habe das Buch geschrieben mit dem Impuls, den Lesern einen neuen Blick auf ihr Leben zu eröffnen. Deshalb erzähle ich sehr offen von meinen Irrwegen und Krankheiten, die mich viele Jahre lang in Bann hielten. Und ich erzähle, wie ich meine innere
Freiheit fand, in der Liebe Gottes und in der Liebe zu den Menschen. Jeden Tag sehe ich in meiner Praxis Menschen, die zusammenbrechen, weil sie keinen Zugang zu ihrer Seele und zu ihren Gefühlen haben. Doch es gibt einen Ausweg.


 

Vera Sternsee über das Hellsehen, Heilen und esoterische Scharlatane

Frau Sternsee, immer mehr Menschen suchen ein Medium oder einen Kartenleger auf und versprechen sich davon die Lösung all ihrer Probleme. Was halten Sie von dem Trend?

In vielen Situationen kann es sehr hilfreich sein, einen medialen Coach zu Rate zu ziehen, um  die eigene Sichtweise zu verändern oder um das eigene Bauchgefühl zu bestätigen. Jedoch bekommt man die eigenen Probleme dadurch nicht pauschal vom Tisch, denn der Mensch ist immer Gestalter seines Schicksals.

Der esoterische Markt ist zurzeit überschwemmt mit Kartenlegern und Hellsehern. Wie kann ein Ratsuchender einen seriösen Berater erkennen?

Hellsehen ist ein Talent, das von Geburt an vorhanden sein muss. Ein seriöser Berater berät immer mit vollkommener Umsichtigkeit und achtet darauf, negative Vorhersagen sehr vorsichtig zu umschreiben, um keine Angst und Panik hervorzurufen. Den Tod vorherzusagen ist zum Beispiel ein absolutes Tabu. Ich sehe meine Aufgabe darin, in die Eigenverantwortlichkeit zurückzuführen, mehr in der Funktion eines Coachs zu agieren, eine allumfassende Beratung. Viele Klienten begleite ich schon seit vielen Jahren.

Was halten Sie von rituellen Praktiken, wie Partnerschaftszusammenführung oder -Trennung?

Diese Praktiken lehne ich vehement ab, da sie eine Manipulation des freien Willens bedeuten. In meinen Augen wird hier vielen Menschen das Geld aus der Tasche gezogen. Eine Partnerschaft sollte immer freiwillig entstehen, um Bestand zu haben, und auf Liebe aufbauen.

Funktioniert Hellsehen wirklich?

Natürlich, denn ich erhalte schon von Kindheit an Bilder, Symbole und Traumvisionen, die sich alle in die Realität umgesetzt haben. Es ist eine besondere Gabe, jedoch oftmals auch sehr belastend, wenn ich Kriege oder Morde sehe. Das einzige, was sehr schwer vorhersagbar ist, ist der zeitliche Rahmen, und gewisse Dinge benötigen auch Zeit, in der sich wiederum das Schicksal jedes Einzelnen verändern kann, wenn er selbst einen anderen Weg einschlägt.

Wie sind Sie zum Beruf der Hellseherin gekommen?

Als Kind schon tauchte ich in Bilder- und Visionswelten ab. Auf meinem Lebensweg sind mir immer Menschen begegnet, die spirituelle Fähigkeiten hatten. Wachgerüttelt wurde ich durch meine eigene dramatische Lebensgeschichte, nachdem ich die Traumata aufgearbeitet hatte. Ein wichtiges Schlüsselereignis war die Begegnung mit Gott. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich alle Zweifel über Bord werfen, denn ich bin ein sehr kritischer Mensch, der alles genau überprüft und versucht, auf dem Boden der Realität zu bleiben. Nicht immer gibt es göttliche Zeichen, manchmal sind es schlichtweg Zufälle.